Mein blaues Wunder



10 Jahre Fliegenfischen mit der Vosseler DC 2 -
ein außergewöhnlicher Erfahrungsbericht


von Peter Schmidt

Als ich vor einigen Wochen meine Fotos vom Fliegenfischen der letzten Jahre auf diver- sen USB-Sticks, Smartphones und meinem Laptop sortierte, fiel mir bei vielen Fangfotos eine interessante Gemeinsamkeit auf: Ganz unterschiedliche Fische hatte ich in den letz- ten Jahren mit meiner blauen 5/6er Vosseler DC 2 Fliegenrolle gedrillt und gelandet! Die- se Aluminiumrolle ist mit ihren 149 Gramm zwar ein Leichtgewicht an der Rute, aber ein Schwergewicht in puncto Zuverlässigkeit und Mechanik.

Plötzlich kamen beim Sortieren der Bilder viele alte Erinnerungen auf: die Forellen im Gebirge, Döbel, Barben und Nasen in meinem Hausfluss und vieles mehr. Ich fragte mich, warum ich diese blaue Fliegenrolle in den letzten Jahren so oft an der Fliegenrute hatte und die Erklärung dafür möchte ich in diesem Artikel liefern.

Eine Fliegenrolle ist für mich kein „Ge- brauchsgegenstand“, kein Mittel zum Zweck, um die Flugleine aufzuspulen. Sie ist so et- was wie eine dritte Hand, um Flugleine fest- zuhalten und die Bremse der Rolle so etwas wie die Fingerkuppen zwischen Daumen und Zeigefinger, um die Leine beim Drill fein und dosiert, aber mit Widerstand freizugeben, wenn der Fisch Leine nimmt… Mit meiner Vosseler DC 2 habe ich in den letzten 10 Jahren rund 200 Tage oder ge- schätzt 600 Stunden an verschiedenen Bä- chen und Flüssen auf die unterschiedlichsten Fische gefischt und sie ist so etwas wie mein „Blaues Wunder“ am Wasser. Ich hoffe, das wird sie noch viele, viele Jahre bleiben! Daher habe ich Ralf Vosseler meine Erfah- rungen der letzten Jahre mal in einem klei- nen Erfahrungsbericht zusammengefasst.

Gute Bachforelle nach
schnellem Drill an der DC 2

Am Gebirgsfluss unschlagbar

Die ersten „Einsätze“ hatte meine DC 2 vor vielen Jahren am Gebirgsfluss. Hier sind die Bach- und Regenbogenforellen in der Strö- mung besonders stark und reißen förmlich in den ersten Sekunden nach dem Anbiss die Leine nur so von der Rolle, bis sie irgend- wann in einem Gumpen stoppen.

DIE FEINE BREMSE IST DAS HERZSTÜCK DER VOSSELER DC 2

Im Gebirge zu fischen bedeutet daher auch, dass das Gerät eine gewisse Robustheit ha- ben muss. Wenn ich mich in der Strömung plötzlich abstützen muss, kommt es schon mal vor, dass die Fliegenrolle unsanft auf einen Stein knallt oder beim Kraxeln am Ufer über Stock und Stein gehen muss. Meiner blaue Vosseler DC 2 hat dies jedenfalls an- scheinend kaum etwas ausgemacht, denn auch heute – nach so vielen Stunden Fischen - ist die blaue Farbe fast vollständig erhalten. Der (blaue) Lack an der Rolle ist also noch lange nicht ab!

Für Fotos lege ich meine Rolle auch manch- mal am Flussufer kurz ab, lasse den Fisch an einer seichten Stelle dafür kurz im Kescher und release ihn, ohne den Fisch in die Hand nehmen zu müssen. Dabei bekam meine DC 2 das eine oder ande- re Mal auch mal „Sand ins Getriebe“, jedoch ließ sich das Gehäuse der DC 2 immer leicht öffnen und ich konnte den Sand einfach im Wasser der Strömung entfernen.

Denn besser das Gerät wird nass beim Foto und der Fisch muss nicht auf dem Trockenen liegen …

MEINE VOSSELER DC2 IST FÜR MICH WIE EIN GUTER FREUND, DER MICH SEIT VIELEN JAHREN ZUM FLIEGENFISCHEN BEGLEITET UND MEINE ERLEBNISSE AM FLUSS TEILT.

Peter Schmidt vor einigen Jah- ren mit
klasse Gebirgsregen- bogner auf Trockenfliege
im Drill in der harten Strömung zwischen den Felsbrocken
ist daher eine sensible Bremse „Gold wert“.

Döbel ticken anders !

Fürs Fliegenfischen mit der Trockenfliege auf Döbel habe ich ein besonderes Faible. Denn vom Biss bis zum Drill ist dieses Fliegenfi- schen oft komplett anders als das auf Forellen.

Auf Döbel fische ich im Sommer im Haus- fluss gerne mit der Trockenfliege. Oft sind es kleinere Dickköpfe, die ich hake.

Ist jedoch ein kapitaler Döbel nach meiner Trockenfliege gestiegen und der Anhieb sitzt, hat der Döbel in den ersten Minuten oft ver- dammt viel Power, besonders die Exemplare, die über einen halben Meter lang sind. Diese erste Phase nach dem Anbiss muss ich meist mit durchgebogener Rute und fein einge-

stellter Bremse irgendwie überstehen, denn manchmal zieht der Dickkopf die Fliegen- schnur unvermindert unter einen Busch und

Ich muss dagegenhalten, ohne das feine Vor- fach im Drill zu einem Bruch zu provozieren. Doch wenn ich mein Gerät kenne und mich auch auf meine Fliegenrute und Fliegenrolle in heiklen Momenten verlassen kann, ist dies ein unschätzbarer Vorteil. Ich merke dann, dass ich lässiger und entspannter meine Fi- sche drille und auch gute Döbel sicherer zum Kescher führe.

Auch kleine Döbel können
an der Fliegenrute eine
Herausforderung sein. Ein
sanfter Anhieb, sensib-
le Bremseinstellung und
sachter Drill sind Voraus-
setzung für eine sichere Landung.

Gelandeter Megadöbel auf Trockenfliege für
den Drill und die sichere Landung ist das Zusammenspiel zwischen Fliegenrute und
Rolle von großer Bedeutung!

Immer der Nase nach...

Mit Nymphen im Fluss auf Barben oder Na- sen zu fischen ist besonders im Sommer ebenfalls sehr spannend, jedoch eine kom- plett andere Fischerei. Denn besonders die Bisse der Nasen im Flachwasser auf die trei- bende Nymphe zu erkennen ist schwierig. Doch manchmal gelingt dies, wenn mitten im Schwarm das Vorfach an der hochgestellten Rute stoppt und ich unvermindert anschlage. Meist auf Verdacht. So wie an einem heißen Sommertag vor einigen Jahren. Doch der Reihe nach. Ich hatte meine Mittagspause genutzt, um zwischen zwei Meetings etwas abzuschalten… Am Fluss angekommen mon- tierte ich eilig eine Nymphe und sah im klaren Wasser einen Nasenschwarm „die Steine ab- grasen“, kein Zweifel, die Fische waren aktiv. Ich ließ meine Goldkopfnymphe daher durch den Schwarm treiben, zupfte sie immer wie- der an, bis das Vorfach an einer Sandbank plötzlich stehen blieb. Anschlag! Und Wi- derstand. Der Fisch nahm sofort einige Me- ter Flugleine von der Rolle, und die Fliegen- schnur straffte sich, sodass unvermittelt die Bremse die Flucht parieren musste. Nach einer Weile konnte ich eine Rückenflosse an der Oberfläche sehen: Eine Nase von knapp 50 cm hatte meine Nymphe genommen. Und was ich dann noch sah, machte mich etwas nervös: Der Haken saß gefährlich knapp im wahrlich letzten Maulwinkel.

„Jetzt nur keinen Fehler machen“, dachte ich, als ich den Haken im Maulwinkel sah. Die kurzen, aber heftigen Rucke des Fi- sches spürte ich in der Rutenspitze, jedoch nahm mir die gleichmäßig laufende Brem- se der DC 2 viel Arbeit ab und ließ mich die „Supernase“ bereits nach wenigen Minuten zum Kescher führen.

Wow, was für ein Fisch in der Mittagspause!

Mein Fazit

Egal, ob Forellen im Gebirgsbach oder Döbel und Nasen im Hausfluss vor meiner Haustür. Es waren Fische, die ich nie vergesse. Ge- nauso wenig, wie das, was meine Vosseler- Rolle dabei geleistet hat! Eine Fliegenrolle 10 Jahre nahezu im Dauer- gebrauch zu fischen ist schon einmalig. Für mich ist meine „Blue“ nicht nur ein optischer Genuss an der Rute, sondern auch ein klei- nes Wunderwerk der Mechanik. Sich auf sei- ne Fliegenrolle verlassen zu können, ist für mich das größte Plus bei jedem Drill. Heu- te bin ich mir daher sicher, dass mir meine Vosseler DC 2 auch in den nächsten Jahren helfen wird, viele gute Fische in den Kescher zu führen. Auch, wenn diese verdammt knapp gehakt sind…

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